Den Ausspruch "Abwarten und Tee trinken" hat sicher jeder schon einmal gehört, vielleicht sogar selbst gesagt. Aber woher kommt diese Redewendung? Handelt es sich dabei um eine Anspielung auf die beruhigende und entspannende Wirkung einiger Teesorten? Oder ist damit gemeint, dass es manche Dinge gibt im Leben, die man eben nicht beeinflussen kann, die man nehmen muss, wie sie kommen und bei denen man eben nichts anderes tun kann, als abzuwarten. Dabei könnte man sich dann die Zeit ganz gut versüßen, wenn man während dessen etwas Tee trinkt. All das wären plausible Erklärungen, sind aber wohl nicht der tatsächliche Ursprung der Lebensweisheit "Abwarten und Tee trinken". Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es in den gehobenen Gesellschaftsschichten Deutschlands üblich geworden, sogenannte "Literarische Teeabende" abzuhalten. Man lud sich ausgewählte Gäste ein, las Schriftstücke vor oder hatte gar einen Dichter, der eines seiner Werke persönlich vortrug, diskutierte darüber und servierte dazu das einzige Getränk, das zu dem gewünschten hohen Niveau zu passen schien: Tee. Diese Veranstaltungen wurden allerdings auch recht schnell verspottet. Man unterstellte vor allem den beteiligten Damen, dass hinter allem mehr Schein als Sein steckte. Eine Quelle aus dieser Zeit beispielsweise unterstellt den "belletristischen Damen", dass sie sich "gemütlich die Abendzeitung" vorlasen und einen "meckernden Ziegenbock als Universalgenie lobten". Schnell wurden die Gastgeberinnern als "ästhetische Damen" und der Tee, den sie servierten, als "ästhetischer Tee" bezeichnet. Damit war keineswegs gemeint, dass diese Frauen besonders hübsch und ihr Tee eine sehr wertvolle Sorte war oder vielleicht in edlem, wunderschönem Geschirr serviert wurde. Mit "ästhetisch" sollte in diesem Fall wohl eher ausgedrückt werden, dass es bei diesen Teezirkeln eher mehr um den äußeren Eindruck ging, als tatsächlich um die Inhalte. Der Tee beispielsweise wurde grundsätzlich pur serviert, wobei sich jeder Gast so viel Zucker, aber auch so viel Rum dazu nehmen konnte, wie er wollte. Da waren einige schnell in einer sehr heiteren Laune und ganz sicher nicht mehr in der Lage, ernsthafte literarische Diskussionen zu führen. So begann man irgendwann, den Tee immer später zu servieren um zu verhindern, dass die meisten Gäste noch vor Beginn des intellektuellen Teils das Abends betrunken waren. Aus dieser Zeit soll der Spruch "Abwarten und Tee trinken" stammen.

Legende oder Wahrheit?

Wir verstehen "Abwarten und Tee trinken" in erster Linie so, dass wir auf etwas warten sollen oder müssen, während des Wartens aber Tee trinken können. Stimmt diese Überlieferung aber, würde es bedeuten, dass wir zuerst warten müssen, bevor wir Tee trinken können. Die Redewendung findet man in Übersetzungen als, die der Beschwichtigung oder als ein Aufruf zur Geduld, eine zeitliche Abfolge, da es den Tee erst gibt, wenn man genügend gewartet hat. Vielleicht war damit aber auch gemeint, dass man die meiste Zeit des Abends bei solchen Teezirkeln eher mit Warten und Tee trinken verbracht hat, anstatt mit den eigentlich versprochenen literarischen Höhenpunkten und Diskussionen. Wie auch immer, auch, wenn der Ursprung dieser Redewendung inzwischen 200 Jahre zurück liegt, kann man davon ausgehen, dass sie korrekt überliefert wurde und dass es die damals beliebten, aber trotzdem auch verspotteten Teezirkel waren, die diese Aussage prägten. Die Frage nach der Korrektheit der Redewendung dürfte also geklärt sein. Bleibt noch ihre Bedeutung. Es ist gut möglich, dass sich im Laufe der Jahre das, was wir unter "Abwarten und Tee trinken" verstehen, gewandelt hat. So eine "Anpassung" an die moderne Zeit, macht eine Redewendung aber nicht zwangsweise weniger korrekt.

Fazit

Es gibt zahlreiche Redewendungen, angefangen von "Das geht mir gegen die Hutschnur." bis hin zu "Es zieht wie Hechtsuppe.", deren Ursprung uns oft gar nicht bewusst ist und die eigentlich auch etwas anders gemeint sind, als wir sie heute in unserem Leben und Alltag verwenden. Das sollte aber kein Grund sein, diese Floskeln nicht mehr zu verwenden. Schließlich sind sie fester Bestandteil unseres Sprachgebrauchs. Zudem wäre es schade, wenn sie verloren gehen würden. Stattdessen kann man gerne etwas Nachforschen und der Geschichte dieser Redensarten auf den Grund gehen. Zwar sollte man es vermeiden, ab sofort seine Mitmenschen stets besserwisserisch zu korrigieren, wenn sie die einzelnen Floskeln ihrer ursprünglichen Bedeutung nach nicht korrekt verwenden. Man kann aber sicher punkten und Eindruck schinden, wenn man weiß, woher diese Redewendungen kommen. Und einen gebildeten Eindruck auf sein Umfeld zu machen, war ja wohl schon ein Grund für den Deutsch-, Englisch- und Spanisch-Teezirkel vor langer Zeit. Bildnachweis: Teetrinken ©Thinkstock: iStockphoto

Historischer Hintergrund

Die Geschichte rund um Abwarten Tee trinken ist eng mit der jahrtausendealten Kulturgeschichte des Tees verwoben. Tee ist mehr als nur ein Getränk — er ist ein Spiegel der Gesellschaften, die ihn kultiviert haben. Von den Nebelbergen Chinas über die Tempelgärten Japans bis zu den kolonialen Teeplantagen Indiens hat jede Epoche ihre eigenen Geschichten hervorgebracht.

Viele der heute bekannten Tee-Mythen haben ihren Ursprung in mündlichen Überlieferungen, die über Generationen weitergegeben wurden. Sie verbinden historische Fakten mit symbolischen Elementen und bieten so einen einzigartigen Einblick in die Denkweise und Werte vergangener Kulturen.

Die Legende im Detail

Diese Erzählung gehört zu den faszinierendsten Geschichten der Teekultur. Wie bei vielen Legenden gibt es verschiedene Versionen, die je nach Region und Erzähltradition variieren. Allen gemeinsam ist die tiefe Wertschätzung für den Tee als Geschenk der Natur und als Bindeglied zwischen Menschen und ihrer Umwelt.

Legenden wie diese erinnern uns daran, dass Tee seit jeher mehr war als ein einfaches Getränk. Er diente als Medium für Meditation, als Zeichen der Gastfreundschaft und als Katalysator für philosophische Gespräche. In vielen asiatischen Kulturen gilt der Tee als Brücke zwischen der materiellen und der spirituellen Welt.

Kulturelle Bedeutung

Die kulturelle Bedeutung von Tee lässt sich kaum überschätzen. In China symbolisiert er Harmonie, Respekt, Reinheit und Stille — die vier Grundpfeiler der Teezeremonie nach dem Philosophen Lu Yu. In Japan wurde die Teezeremonie (Chado, „Weg des Tees") zu einer eigenen Kunstform entwickelt, die buddhistische Prinzipien verkörpert.

In Großbritannien wurde der Nachmittagstee zu einem gesellschaftlichen Ritual, das Klassen überbrückte. In Marokko ist die aufwendige Zubereitung des Minztees ein Akt der Gastfreundschaft. In Russland steht der Samowar für Gemeinschaft und Wärme. Jede Kultur hat ihre eigene Beziehung zum Tee entwickelt, und Geschichten wie diese sind Ausdruck dieser vielschichtigen Verbindung.

Verwandte Artikel

Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu diesem Thema:

Zubereitung Schritt für Schritt

Die perfekte Tasse beginnt mit der Wahl des richtigen Wassers. Verwenden Sie nach Möglichkeit gefiltertes Leitungswasser oder stilles Mineralwasser mit einem niedrigen Kalkgehalt. Hartes Wasser kann den Geschmack von Tee erheblich beeinträchtigen und einen unangenehmen Film auf der Oberfläche bilden. Die optimale Wasserhärte für Tee liegt zwischen 4 und 8 Grad deutscher Härte.

Wärmen Sie Ihre Teekanne und Tassen vor, indem Sie sie kurz mit heißem Wasser ausspülen. Dieser einfache Schritt sorgt dafür, dass das Aufgusswasser seine optimale Temperatur behält und der Tee gleichmäßig extrahiert wird. Messen Sie die Teemenge sorgfältig ab: Pro 200 ml Wasser empfehlen sich je nach Teesorte 2 bis 5 Gramm Teeblätter. Eine Küchenwaage liefert dabei genauere Ergebnisse als das Augenmaß.

Gießen Sie das Wasser langsam über die Teeblätter und lassen Sie den Aufguss in Ruhe ziehen. Widerstehen Sie der Versuchung, den Teebeutel oder das Teesieb ständig zu bewegen — dies kann unerwünschte Bitterstoffe lösen. Nach der optimalen Ziehzeit entfernen Sie die Teeblätter sofort, um ein Überziehen zu vermeiden. Die Ziehzeit ist der wichtigste Faktor für den Geschmack — schon 30 Sekunden zu viel können einen milden Tee herb und bitter machen.

Kulturelle Bedeutung und Tradition

Abwarten trinken Herkunft steht in einer langen Tradition, die verschiedene Kulturen und Epochen miteinander verbindet. Tee ist seit Jahrtausenden nicht nur ein Getränk, sondern ein Kulturgut, das Menschen zusammenbringt und zum Innehalten einlädt. In einer Zeit, die von Hektik und Schnelllebigkeit geprägt ist, bietet die Teekultur einen wertvollen Gegenpol.

In der traditionellen chinesischen Kultur steht Tee für die Harmonie zwischen Mensch und Natur. Die japanische Teezeremonie erhebt die Teezubereitung zur meditativen Kunstform. In Großbritannien ist der Afternoon Tea ein gesellschaftliches Ritual, und in Ostfriesland gehört die Teetied zum kulturellen Erbe. Auch in der arabischen Welt ist die Teezubereitung ein Akt der Gastfreundschaft und des Respekts.

Moderne Teekultur verbindet diese Traditionen mit zeitgenössischen Trends. Tee-Sommeliers, spezialisierte Teehäuser und die wachsende Bewegung für bewussten Konsum machen Tee zu einem Thema, das Menschen unterschiedlichster Hintergründe begeistert. Die Beschäftigung mit Tee fördert Achtsamkeit, Geduld und die Wertschätzung für Qualität — Eigenschaften, die in unserer schnelllebigen Zeit wichtiger denn je sind.

Qualität erkennen und richtig einkaufen

Die Qualität von Tee zu beurteilen, erfordert etwas Übung und Wissen. Ein wichtiger erster Anhaltspunkt ist das Erscheinungsbild der trockenen Blätter: Hochwertige Tees bestehen aus ganzen oder großen Blattstücken mit einheitlicher Farbe und Form. Gebrochene, staubige oder ungleichmäßige Blätter deuten auf niedrigere Qualität hin.

Der Duft der trockenen Blätter sollte frisch, klar und einladend sein — niemals muffig, staubig oder künstlich. Beim Aufguss achten Sie auf eine klare, leuchtende Tassenfarbe. Trüber oder matter Tee kann auf Qualitätsmängel oder falsche Lagerung hindeuten. Der Geschmack sollte vielschichtig sein und verschiedene Noten offenbaren — Tiefe und Komplexität sind Zeichen hoher Qualität.

Kaufen Sie Tee vorzugsweise im Fachhandel, wo Sie kompetent beraten werden und die Möglichkeit haben, verschiedene Sorten zu probieren. Online-Teeshops bieten oft eine größere Auswahl und detaillierte Beschreibungen. Achten Sie auf Bio-Zertifizierungen und Fair-Trade-Siegel, die Qualitätsstandards und nachhaltige Produktion gewährleisten. Kaufen Sie lieber kleine Mengen und verbrauchen Sie den Tee innerhalb weniger Monate — Frische ist bei Tee entscheidend.