Legende oder Wahrheit?
Es gibt zahlreiche Dokumente über die Herkunft Lu Yu's. Er wurde von einem buddhistischen Mönch adoptiert. Dieser wollte selbstverständlich, dass auch Lu Yu ein Mönch wird, das lehnte der Junge aber ab. Als Strafe für seinen Unwillen, ebenfalls das asketische Leben eines Mönchs zu führen, bestrafte ihn sein Adoptiv-Vater damit, dass Lu Yu ausschließlich niedere Arbeiten verrichten musste. Die harte Arbeit und die Demütigung hielt er nicht lange aus und lief davon. Um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, heuerte er bei einem Zirkus an... als Clown. Dieser Behauptung ist also tatsächlich korrekt und historisch belegt. Als er 14 Jahren alt war, wurde schließlich ein Regierungsbeamter namens Li Qiwu auf Lu Yu aufmerksam. Er war der Meinung, der Junge hätte weit mehr Potential, als sein Leben lang als Zirkusclown zu arbeiten. Li Qiwu erlaubte Lu Yu nicht nur, seine Bibliothek zu nutzen, er stellt ihm auch einen Lehrer zur Verfügung, der ihm so viel wie möglich beibringen sollte. Und Li Qiwu sollte Recht behalten. Lu Yu wurde nicht nur ein geschätzter Dichter. Mit seinem dreibändigen Werk über den Tee "Cha Ching" hat er einen Klassiker verfasst, der bis heute gelesen werden kann und was fast noch wichtiger ist, der bis heute seine Gültigkeit nicht verloren hat.Fazit
Vielen mag es wohl ganz ähnlich ergehen, im ersten Moment möchte man einem ganz gewöhnlichen Zirkusclown nicht unbedingt die Fähigkeit zutrauen, ein philosophisches Werk über Tee zu verfassen. Erst recht keines, das auch noch nach mehreren hunderten von Jahren nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Wenn man dann allerdings erfährt, dass Lu Yu tatsächlich beides war, Dichter und Clown, ist man einerseits erstaunt, andererseits auch ein bisschen beschämt, dass man solch Vorurteile gegenüber Zirkusclowns hatte und ihnen mit dem eigenen Klischee-Denken nur Quatsch und Albereien zugetraut hat. Aber liegt es jetzt eigentlich tatsächlich an Lu Yu als weitsichtigem Dichter und Gelehrten, dass sein Werk so zeitlos ist? Oder liegt es vielleicht doch zumindest zu Teilen, auch am Tee selbst? Und was schreibt Lu Yu eigentlich so über den Tee? Zum einen empfiehlt er blaues Teegeschirr. Blau besitzt nach der Farbenlehre eine sehr entspannende Wirkung. Es ist eine sehr meditative Farbe, die für Harmonie, Ruhe und Unendlichkeit steht. Blau beruhigt erwiesener Masen und verleiht innere Ruhe. Alles Dinge, die auch von Beginn an mit dem Tee verbunden werden. Oder vielleicht besser gesagt, alles Ziele, die vor allem die Mönche mit dem Teetrinken überhaupt erreichen wollten. Und Ziele, um die es vielen auch heute noch bei ihrer täglichen Teestunde geht. Mit dem Vorschlag, ein blaues Teegeschirr zu wählen hat Lu Yu also tatsächlich einen zeitlosen Rat gegeben. Liest man weiter, dann erfährt man, zu welchen Zeitpunkten Lu Yu das Teetrinken empfiehlt. In der Liste findet man zum Beispiel "wenn es leise regnet", "wenn die Kinder in der Schule sind", "im Bambushain am Frühlingsabend", "bei Vollmond" oder "mit netten Freunden und schönen Liebchen". Alles Punkte die ebenfalls auch heute gut zutreffend sind. Nun, kaum jemand wird bei uns einen Bambushain im Garten haben, in den er sich zum Teetrinken zurückziehen kann, eine Terrasse oder einen Balkon, auf dem die frische Frühlingsluft genossen werden kann, allerdings schon. Es fällt auf, dass Lu Yu Tee immer dann empfiehlt, wenn man gerade die Gelegenheit hat, etwas zur Ruhe zu kommen (wenn die Kinder in der Schule sind), wenn man die Natur bewusst genießen kann (wenn es leise regnet, bei Vollmond,...) oder eben auch mit Gästen und besonderen Menschen. Halten wir uns an diese Tipps, erleben wir auch in unserer modernen Zeit unvergessliche und vor allem unvergleichliche, schöne Teemomente. Bildnachweis: chinesische Teekanne ©Thinkstock: iStockphotoVerwandte Artikel
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