Legende oder Wahrheit?
Es war nichts außergewöhnliches, dass ein Mönch irgendwann im Laufe seines Klosterlebens beschloss, auf Pilgerreise zu gehen. Auch heute noch ist dies üblich. Und dass er sich auf dieser Reise seinen Lebensunterhalt verdienen muss, versteht sich auch von selbst. Dazu könnte man zum einen Betteln, was aber nicht wirklich in zu der Lebensphilosophie eines Zen-Mönches passt. Er wird also immer versuchen, für sein Essen zu arbeiten oder zumindest ein wertgleiches Gegenstück dafür zu geben. Eine Teekanne allerdings ist für jeden Mönch eines der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste Alltagsgegenstand überhaupt. Ein Mönch, der keinen Tee trinkt, ist kein Mönch mehr. Nicht nur, dass Tee ohnehin das Getränk ist, das in seiner Heimat von jedem täglich in großen Mengen getrunken wird. Vor allem als Mönch, hält er regelmäßig Teezeremonien ab, um zu Meditieren und um wieder zu sich selbst zu finden. Nur ein Mönch, der in sich selbst ruht, kann auch tatsächlich Ratsuchenden wertvolle Hilfe leisten. Während seiner Meditationen lernt ein Mönch viel über sich selbst, über das Leben und über alles mystische. Ohne Tee wären diese stundenlangen Meditationen aber gar nicht durchzuhalten. So gesehen kann man also tatsächlich sagen, dass die Teekanne für jeden Mönch eine Art Guru ist, ein Lehrmeister, der selbst dann noch etwas zu erzählen hat, wenn die Bücher längst aufgehört haben. Es ist zwar alles andere als bewiesen, aber immerhin vorstellbar, dass sich diese Geschichte zumindest auf recht ähnliche Art so zugetragen hat. Sie macht auf ganz besondere Weise deutlich, wie eng das Verhältnis eine Mönchs zu seiner Teekanne sein konnte. Sicher war so eine Kanne, vor allem, wenn es die eines Mönchs war, sehr einfach und schlicht. Ohne Prunk und Schnick Schnack, ohne reiche Verzierungen, einfach nur aus Ton. Aber sie war täglich da, von früh bis spät. Sie bereitete und bewahrte den Tee für den Mönch. Den Tee, dem er so viele wertvolle Erkenntnisse zu verdanken hatte. Den Tee, der ihn täglich wärmte und seinen Durst stillte. Wenn man möchte, kann man dies wirklich damit vergleichen, was ein Guru für seine Schüler tut.Fazit
Auf den ersten Blick scheint es, gerade für einen Mönch, doch recht unpassend zu sein, eine Teekanne so zu vermenschlichen, sie sogar als Gelherten zu bezeichnen, von dem jemand, wie ein hochgebildeter Mönch noch etwas lernen kann. Denkt man aber an den Tee, der daraus getrunken wurde und vor allem an dessen Wirkung, ist die Reaktion des Mönchs doch wieder nachvollziehbar. Manchmal braucht es eben keine schlauchen Bücher oder kluge Weisheiten anderer. Manchmal müssen wir "einfach" nur in uns hineinhören, um Antworten auf unsere Fragen zu finden. Bildnachweis: Teekanne © lily - Fotolia.comVerwandte Artikel
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