Legende oder Wahrheit?
Ist dieses Zitat nun ein totaler Widerspruch zu dem Bild, das wir eigentlich von Lessing haben? Oder ist es einfach nicht ganz korrekt überliefert wurde? Oder vielleicht sogar komplett falsch, wird es Lessing nur zugeschoben, obwohl er so eine oder so eine ähnliche Aussage nie getroffen hat? Nun, am einfachsten lässt sich wohl diese letzte Frage klären. Es dürfte als ziemlich unwahrscheinlich gelten, dass Lessing da falsche Worte in den Mund gelegt wurden. Selbst, wenn er dieses Zitat nicht absolut wortwörtlich so gesagt haben sollte, der Sinn wird auf jeden Fall stimmen. Lessing war eindeutig Teetrinker und das noch dazu so überzeugt, dass er ganz selbstverständlich täglich seinen Tee trank. So bedeutend, wie Lessing bereits zu Lebzeiten war, wurden nicht nur seine Werke bewahrt und über Jahrhunderte wie Schätze gehütet. Auch spezielle Aussagen die er traf, wurden dokumentiert. Schließlich war Lessing mehr als ein "normaler" Schriftsteller. Als Aufklärer war er eine Art "Anführer" einen ganzen Bewegung, die Gesellschaftsstruktur, das ganze Leben in Deutschland veränderte sich dadurch. So hatte Lessing sicher auch zahlreiche Anhänger, die förmlich an seinen Lippen hingen und sprichwörtlich jedes Wort von ihm dokumentierten. Aber wie passt diese Leidenschaft für Tee zu dem Theoretiker, zu dem eher nüchternen Bild, dass wir von Lessing haben? Als Schriftsteller war er sicher auch ein Mensch, der Leidenschaft erleben und auch zulassen konnte. Auch, wenn er beispielsweise mehr Vernunft predigte, so tat er selbst genau dies mit einer großen Leidenschaft. Schließlich hatte er die Aufklärung zu seinem Lebensinhalt gemacht. Ohne eine gewisse eigene Leidenschaft dafür, hätte er dies sicher nicht tun können.Fazit
Manch einer mag es ironisch sehen, dass Lessing ausgerechnet Vernunft mit eigener Leidenschaft und vielen Emotionen predigte. Aber wie sonst hätte er die alten Strukturen aufbrechen und mit der Bewegung der Aufklärer tatsächlich Veränderungen bewirken können? Vielleicht war es ja gerade der Tee, der ihn bei all den Aufregungen des Umbruchs und Wandels wieder beruhigte und soweit besänftigte, dass er überhaupt erst in der Lage war, seine Gedanken und Kritiken in klare und, ja auch vernünftige Worte zu fassen. Vielleicht nutzte er seine täglichen Teestunden, um in Ruhe über alles nachzudenken. Über die Ereignisse in Frankreich, die Wünsche, die er für Deutschland hatte, die Ideen seiner Mitstreiter,... Es gibt vieles, worüber ein großer Aufklärer sich Gedanken machen konnte. Dieser Gedanke ist nicht nur nachvollziehbar und bewegt sich auch absolut im Rahmen des Vorstellbaren, er klingt außerdem absolut vernünftig. Ganz im Sinne von Lessing. Bildquelle: Gotthold Ephraim Lessing/nickolae/fotolia.comVerwandte Artikel
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