Legende oder Wahrheit?
Auch, wenn heute wohl kaum jemand ohne Zweifel daran glaubt, dass es tatsächlich ein Gott gewesen sein soll, der den Menschen das Rezept für den Mate-Tee gab, so kann auch diese Legende durchaus einen wahren Kern haben. Die Tatsache, dass die Guarani früher ihre Lagerplätze für die Suche nach fruchtbaren Böden häufig wechseln mussten, ist historisch sicher belegt. Dass gerade die älteren Stammesmitglieder dabei häufig an die Grenzen ihrer Kräfte kamen, ist nachvollziehbar. Gut vorstellbar also, dass einer der Ältesten zurückblieb, um nicht den ganzen Stamm aufzuhalten. Auch in anderen Kulturen ist es bekannt, dass sie die älteren Mitglieder zum Sterben ganz bewusst zurückziehen, ihre letzten Tage und Stunden alleine verbringen. Sicher kann man sich aber auch in die Lage der Angehörigen hineinversetzten und wohl viele können verstehen, warum Jary ihren Vater nicht alleine lassen wollte. Wie man selbst sich in dieser Situation entschieden hätte ist zweitrangig. Viel bedeutender ist, dass es durchaus der Tatsache entsprechen könnte, dass eine Tochter ihren Vater nicht alleine zurücklassen möchte. Völlig auf sich gestellt, ohne die Unterstützung der anderen Stammesmitglieder, wäre es auch denkbar, dass Jary und ihr Vater versuchten, sich am Leben zu halten, indem sie beispielsweise Wurzeln und Blätter aßen, die sonst nicht auf dem Speiseplan der Guarani standen. Möglicher Weise haben sie in ihrem Hunger und Durst den Schamanen auch halluziniert. Wie auch immer, wenigstens ein Großteil des Mythos über die Entstehung des Mate-Tees könnte absolut den Tatsachen entsprechen.Fazit
Die meisten Legenden, egal um was oder wen sie sich ranken, haben wohl einen Teil Wahrheit und einen Teil Dichtung. Auffallend ist, dass auch bei der Geschichte über die Entstehung des Mate-Tees, wie auch häufig bei asiatischen Mythen um und über Tee, die Götter, oder zumindest ein Gott eine große Rolle spielt. Dies mag wohl daran liegen, dass die Menschen, egal in welcher Kultur sie auch lebten, sich früher scheinbar unerklärliches gerne mit einer höheren Macht begründeten. Teilweise waren sie auch zutiefst ehrfürchtig vor der Macht der Natur und trauten es wohl keinem Menschen zu, bewusst nur mit Hilfe seiner eigenen Gedanken, so wirkungsvolle Dinge wie den Mate-Tee zu entdecken. Da schien es plausibler, dass der Mensch in diesem Moment in seinem Handeln von einem Gott gelenkt wurde, um das Rezept für Mate-Tee zu erkennen. Auch in anderen Kulturen zum Beispiel in Argentinien oder Brasilien hat Mate-Tee eine besondere Stellung und wird wegen seiner belebenden Wirkung auf den Stoffwechsel gern getrunken.Bildnachweis: Guarani, Mate-Tee und die Götter © eAlisa - Fotolia.comVerwandte Artikel
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