Legende oder Wahrheit?
Über den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte muss sicher nicht lange diskutiert werden. Egal wie lobenswert und edel die Motive für den täglichen Teeverkauf der alten Frau waren, dass sich die Teekanne tatsächlich niemals leerte, ist wohl kaum vorstellbar. Ebenso wird in unserer vernunftbetonten Zeit niemand mehr glauben, dass ein Mensch dank übernatürlicher Kräfte in der Lage sein könnte zu fliegen. Ganz anders war das allerdings zu der Zeit, als diese Geschichte entstand. Für China war und ist der Taoismus weit mehr, als nur eine Philosophie oder eine Religion. Das ganze Land, die Kultur, die Menschen und ihre Lebensweise, alles wurde durch den Taoismus so nachhaltig und tiefgründig geprägt und beeinflusst, dass man dies bis heute sehen und spüren kann. Zu den bedeutendsten Lehren des Taoismus gehörte es, dass man durch ausgedehnte Meditationen und disziplinierte körperliche Übungen nicht nur besondere Intelligenz, sondern auch übernatürliche Fähigkeiten und Kräfte erhalten kann. Die Menschen in China waren überzeugt davon, dass Taoisten Gottheiten waren, die nicht nur zu Wundern fähig waren, sondern auch Unsterblich waren.Fazit
Es ist überliefert, dass ein taoistischer Mönch namens Fa Yao im Süden Chinas 99 Jahre alt wurde. Selbst heutzutage ist solch ein hohes Alter keine Selbstverständlichkeit, umso weniger damals, wo die Lebensbedingungen noch um ein Vielfaches härter waren und die Lebenserwartung entsprechend niedriger lag. Selbstverständlich trank Fa Yao regelmäßig Tee und meditierte. So gesehen ist es durchaus verständlich, dass die Menschen damals aufgrund solcher Lebensgeschichten wie der des Fa Yao tatsächlich glaubten, dass die praktizierenden Taoisten Unsterblich waren. Heute wissen wir, dass der hohe Teekonsum tatsächlich einen großen Anteil an solch einem langen gehabt haben kann. Zudem ist auch bekannt, dass Meditieren tatsächlich die Gedanken klar strukturieren und ordnen kann. Sicher ist das schon vielen einmal passiert, dass man sich stundenlang den Kopf über etwas zerbrochen hat, beispielsweise, weil man die Antwort auf eine Frage vergessen hatte. So lange man sich auf das Problem konzentriert, scheint man tatsächlich das sprichwörtliche Brett vor dem Kopf zu haben. Doch kaum beschäftigt man sich mit etwas anderem, fällt einem die Lösung ganz plötzlich ein, fast schon wie aus dem Nichts. Gut möglich, dass die Mönche, die nicht nur viel meditierten, sondern nebenbei auch noch viel lasen, ihren Mitmenschen als besonders intelligent vorkamen. Und sicher schien die ein oder andere Tat eines Mönchs einem etwas weniger gebildeten wie ein Wunder. Gerade was das Wissen über die Heilkraft einzelner Kräuter beispielsweise betrifft, wussten die belesenen Taoisten mehr, als ein ganz gewöhnlicher Bürger Chinas. So erscheint die Geschichte der alten Frau mit ihrer immer vollen Teekanne dann doch wieder verständlich und nachvollziehbar. Davon abgesehen wurden und werden Geschichten dieser Art gerne bei einer traditionellen Teezeremonie erzählt. Und in solch einem Rahmen haben sie auch heute noch ihre Berechtigung. Bildnachweis: Teekanne © Dmytro Tolokonov - Fotolia.comVerwandte Artikel
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