Letztes Jahr galten sie noch als absolute Neuheit, diesen Sommer hat man sich schon fast an ihren Anblick gewöhnt: die Rede ist von den neuen Sommer-Tees. Das Besondere daran sind übrigens nicht unbedingt die speziellen Mischungen, wobei es sich grundsätzlich immer um Früchtetees handelt. Vielmehr sorgen diese Tees dadurch für Aufsehen, dass sie mit kaltem Wasser zubereitet werden. An den heißen Tagen mag kaum jemand warmen Tee trinken, den Tee wie üblich mit kochendem Wasser zuzubereiten und dann abkühlen zu lassen, erfordert einiges an Zeit und somit auch Geduld. Viel schneller kommt man dagegen mit einem dieser neuen Sommer-Tees an sein Ziel. Die Hersteller versprechen bereits wenige Minuten nach dem Aufgießen der Teebeutel mit kaltem Wasser einen herrlich fruchtig-frischen Teegenuss. Aber wie funktionieren diese Tees? Was ist dabei anders? Oder gibt es überhaupt einen Unterschied? Oder handelt es sich dabei eher um einen Verkaufstrick und im Grunde genommen könnte man jeden beliebigen Tee auf diese Art zubereiten?

Die Antwort der Hersteller

In solch einem Fall kann man ruhig einmal ganz direkt beim Hersteller nachfragen. Jeder größere Lebensmittelhersteller hat heutzutage eine Homepage, auf der sich die Verbraucher über ihre Produkte informieren können. Sollten dennoch Fragen offen bleiben, gibt es in der Regel einen Verbraucherservice, der sich um solche Belange kümmert. In vielen Fällen muss man dazu nicht einmal eine Email schreiben. Stattdessen kann man sein Anliegen direkt in ein Onlineformular auf der Homepage eingeben und wenige Tage später erhält man die Antwort an sein Email-Postfach. Natürlich erhält man dabei keine unvoreingenommene Meinung. Jeder Verbraucherservice von solchen Internetseiten wird natürlich versuchen, den Kunden die eigenen Produkte schmackhaft zu machen. Davon abgesehen gibt es sicher auch Interna, wie beispielsweise genaue Rezeptur oder ähnliches, was nicht an Dritte herausgegeben werden darf. Schließlich wäre es ein leichtes für Mitarbeiter der Konkurrenz, eine scheinbar ganz unverfängliche Anfrage als normaler Verbraucher zu stellen und so quasi den Wettbewerber auszuspionieren. Nichts desto trotz bekommt man auf Anfrage nach dem Unterschied zwischen herkömmlichem Früchtetee und Sommer-Tee, dass es sich dabei um eigens kreierte Sorten handelt, die im Laufe ihres Herstellungsprozesses einem "speziellen Keimreduzierungsverfahren" unterzogen werden. So wird auch abgeraten, andere Tees außer diesen Sommer-Versionen ausschließlich kalt aufzugießen, da sonst möglicher Weise der Keimgehalt zu hoch für einen unbeschwerten Genuss sein könnte.

Innovative Idee oder platte Werbung?

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob diese Antwort so uneingeschränkt den Tatsachen entspricht. Werden in diesen wenigen Minuten Ziehdauer bereits so viele Keime im Tee abgetötet, dass sich an der Gesamtzahl der potentiellen Krankheitserreger etwas entscheidend verbessert? Und was ist dann mit den Tees aus Heilkräutern, bei denen wegen der höheren Wirksamkeit teilweise empfohlen wird, ausschließlich einen Kaltauszug zuzubereiten? Die Begründung der Hersteller klingt zwar schlüssig, andererseits gibt es aber auch Punkte, die diese "Ausschließlichkeit" doch etwas in Frage stellen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, dem bleibt somit nur, entweder den Rat der Teehersteller zu befolgen, oder er zieht weitere Erkundungen ein, beispielsweise bei einem Teehändler, der zwar ebenso viel Wissen in Sachen Tee besitzt, aber unabhängig von den großen Produzenten ist.

Fazit

Sicher kann man erst einmal skeptisch reagieren, wenn ein neues Produkt auf den Markt kommt. Es wäre schließlich auch verständlich, wenn sie die Teehersteller irgendwie dazu gezwungen fühlten, Tee auf irgendeine Art und Weise neu zu erfinden und somit den Umsatzrückgang in den Sommermonaten abzufangen. Letzten Endes liegt es aber in der Entscheidung eines jeden einzelnen Verbrauchers, sich zu überlegen, ob er zum einen den Preis für solch ein Produkt gerechtfertigt findet und vor allem, ob ihn der Geschmack überzeugt. Sollte er auch nur einen dieser beiden Punkte mit Nein beantworten, wird wohl niemand Geld für einen Tee ausgeben und sei er noch so innovativ oder "anders". Ob mit Zucker warm oder kalt als Eistee bleibt jedem selbst überlassen. Ein grüner Tee im Sommer oder schwarzer Tee schaden auch nicht. Im Gegenteil, dadurch schwitzen Menschen weniger. Bildnachweis: Sommer-Tees ©Thinkstock: iStockphoto

Hintergrund und Kontext

Die neuen Sommer-Tees — dieses Thema verdient eine genauere Betrachtung, denn es berührt wichtige Aspekte des Teegenusses, über die viele Teetrinker nur wenig wissen. Ob Anfänger oder erfahrener Teekenner: Hintergrundwissen bereichert das Teeerlebnis und hilft, bessere Entscheidungen beim Kauf und bei der Zubereitung zu treffen.

Die Welt des Tees ist komplex und vielschichtig. Von der Botanik der Teepflanze Camellia sinensis über die unterschiedlichen Verarbeitungsmethoden bis hin zu den kulturellen Traditionen rund um den Globus gibt es immer Neues zu entdecken. Fundiertes Wissen über Tee schärft die Sinne und vertieft den Genuss.

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Wissenschaftliche Forschung hat in den letzten Jahrzehnten vieles bestätigt, was die traditionelle Teekunde seit Jahrhunderten lehrt. Moderne Analysemethoden ermöglichen es, die komplexe Chemie des Tees besser zu verstehen: Über 700 verschiedene Aromaverbindungen wurden bislang in Tee identifiziert — mehr als in den meisten anderen Lebensmitteln.

Die Teepflanze Camellia sinensis produziert eine Vielzahl bioaktiver Substanzen: Polyphenole, Aminosäuren, Koffein, Vitamine und Mineralstoffe. Das Zusammenspiel dieser Inhaltsstoffe bestimmt nicht nur den Geschmack, sondern auch die physiologischen Wirkungen des Tees. Die Forschung auf diesem Gebiet ist dynamisch und bringt regelmäßig neue Erkenntnisse hervor.

Praktische Anwendung

Theorie ist wichtig, aber letztendlich zählt die praktische Umsetzung. Hier sind einige bewährte Grundregeln, die für nahezu alle Teesorten gelten: Verwenden Sie stets frisches, gefiltertes Wasser — Kalk und Chlor können den Geschmack erheblich beeinträchtigen. Die Wasserqualität macht einen deutlich größeren Unterschied als viele Teetrinker vermuten.

Investieren Sie in eine gute Teekanne aus Porzellan, Glas oder Gusseisen. Jedes Material hat seine Vorzüge: Porzellan ist neutral und eignet sich für alle Teesorten, Glas ermöglicht die optische Bewertung des Aufgusses, und Gusseisen hält die Temperatur besonders lange. Vermeiden Sie Plastik, da es Geschmacksstoffe aufnehmen und abgeben kann.

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Zubereitung Schritt für Schritt

Die perfekte Tasse beginnt mit der Wahl des richtigen Wassers. Verwenden Sie nach Möglichkeit gefiltertes Leitungswasser oder stilles Mineralwasser mit einem niedrigen Kalkgehalt. Hartes Wasser kann den Geschmack von Tee erheblich beeinträchtigen und einen unangenehmen Film auf der Oberfläche bilden. Die optimale Wasserhärte für Tee liegt zwischen 4 und 8 Grad deutscher Härte.

Wärmen Sie Ihre Teekanne und Tassen vor, indem Sie sie kurz mit heißem Wasser ausspülen. Dieser einfache Schritt sorgt dafür, dass das Aufgusswasser seine optimale Temperatur behält und der Tee gleichmäßig extrahiert wird. Messen Sie die Teemenge sorgfältig ab: Pro 200 ml Wasser empfehlen sich je nach Teesorte 2 bis 5 Gramm Teeblätter. Eine Küchenwaage liefert dabei genauere Ergebnisse als das Augenmaß.

Gießen Sie das Wasser langsam über die Teeblätter und lassen Sie den Aufguss in Ruhe ziehen. Widerstehen Sie der Versuchung, den Teebeutel oder das Teesieb ständig zu bewegen — dies kann unerwünschte Bitterstoffe lösen. Nach der optimalen Ziehzeit entfernen Sie die Teeblätter sofort, um ein Überziehen zu vermeiden. Die Ziehzeit ist der wichtigste Faktor für den Geschmack — schon 30 Sekunden zu viel können einen milden Tee herb und bitter machen.

Kulturelle Bedeutung und Tradition

neuen Sommer Tees steht in einer langen Tradition, die verschiedene Kulturen und Epochen miteinander verbindet. Tee ist seit Jahrtausenden nicht nur ein Getränk, sondern ein Kulturgut, das Menschen zusammenbringt und zum Innehalten einlädt. In einer Zeit, die von Hektik und Schnelllebigkeit geprägt ist, bietet die Teekultur einen wertvollen Gegenpol.

In der traditionellen chinesischen Kultur steht Tee für die Harmonie zwischen Mensch und Natur. Die japanische Teezeremonie erhebt die Teezubereitung zur meditativen Kunstform. In Großbritannien ist der Afternoon Tea ein gesellschaftliches Ritual, und in Ostfriesland gehört die Teetied zum kulturellen Erbe. Auch in der arabischen Welt ist die Teezubereitung ein Akt der Gastfreundschaft und des Respekts.

Moderne Teekultur verbindet diese Traditionen mit zeitgenössischen Trends. Tee-Sommeliers, spezialisierte Teehäuser und die wachsende Bewegung für bewussten Konsum machen Tee zu einem Thema, das Menschen unterschiedlichster Hintergründe begeistert. Die Beschäftigung mit Tee fördert Achtsamkeit, Geduld und die Wertschätzung für Qualität — Eigenschaften, die in unserer schnelllebigen Zeit wichtiger denn je sind.

Qualität erkennen und richtig einkaufen

Die Qualität von Tee zu beurteilen, erfordert etwas Übung und Wissen. Ein wichtiger erster Anhaltspunkt ist das Erscheinungsbild der trockenen Blätter: Hochwertige Tees bestehen aus ganzen oder großen Blattstücken mit einheitlicher Farbe und Form. Gebrochene, staubige oder ungleichmäßige Blätter deuten auf niedrigere Qualität hin.

Der Duft der trockenen Blätter sollte frisch, klar und einladend sein — niemals muffig, staubig oder künstlich. Beim Aufguss achten Sie auf eine klare, leuchtende Tassenfarbe. Trüber oder matter Tee kann auf Qualitätsmängel oder falsche Lagerung hindeuten. Der Geschmack sollte vielschichtig sein und verschiedene Noten offenbaren — Tiefe und Komplexität sind Zeichen hoher Qualität.

Kaufen Sie Tee vorzugsweise im Fachhandel, wo Sie kompetent beraten werden und die Möglichkeit haben, verschiedene Sorten zu probieren. Online-Teeshops bieten oft eine größere Auswahl und detaillierte Beschreibungen. Achten Sie auf Bio-Zertifizierungen und Fair-Trade-Siegel, die Qualitätsstandards und nachhaltige Produktion gewährleisten. Kaufen Sie lieber kleine Mengen und verbrauchen Sie den Tee innerhalb weniger Monate — Frische ist bei Tee entscheidend.

Richtige Lagerung für optimales Aroma

Die richtige Lagerung ist entscheidend dafür, dass Ihr Tee sein volles Aroma bewahrt. Die vier größten Feinde des Tees sind Licht, Luft, Feuchtigkeit und Fremdgerüche. Bewahren Sie Tee daher stets in luftdichten, lichtundurchlässigen Behältern auf — ideal sind Dosen aus Zinn, Keramik oder dunklem Glas.

Vermeiden Sie die Aufbewahrung in der Nähe von stark riechenden Lebensmitteln wie Gewürzen, Kaffee oder Knoblauch, da Tee fremde Gerüche leicht aufnimmt. Ein kühler, trockener Ort mit konstanter Temperatur — etwa ein Küchenschrank abseits von Herd und Spüle — ist der ideale Lagerplatz. Im Kühlschrank sollte Tee nur in absolut luftdichten Behältern gelagert werden, um Kondenswasser zu vermeiden.

Die Haltbarkeit variiert je nach Teesorte: Grüner und weißer Tee sollten innerhalb von 6 bis 12 Monaten verbraucht werden, da sie empfindlicher auf Oxidation reagieren. Schwarzer Tee und Oolong halten bei richtiger Lagerung 1 bis 2 Jahre. Pu-Erh Tee ist eine Ausnahme — er kann wie guter Wein über Jahre oder sogar Jahrzehnte reifen und an Komplexität gewinnen. Kräuter- und Früchtetee bleiben bei sachgemäßer Lagerung 12 bis 24 Monate aromatisch.