Hin und wieder begegnet man der Bemerkung, dass es sich bei einem bestimmten Tee nicht um "echten Tee" handelt. Aber was ist damit gemeint? Ist nicht alles, was aus getrockneten Pflanzenteilen besteht, mit heißem Wasser übergossen und anschließend getrunken wird, ein Tee? Oder ist man bei solchen Packungen mit "unechtem Tee" gar einem Betrüger aufgesessen, der nicht das verpackt hat, was man bei einem Tee erwarten würde?

Das strenge Lebensmittelrecht

Es gibt eine "Internationale Organisation für Normung", die unter der Abkürzung ISO bekannt ist. Sie erarbeitet unter anderem auch für Lebensmittel sogenannte ISO-Normen. So befasst sich die ISO-Norm 3720 mit Tee und liegt ganz eindeutig und sehr streng fest, dass ausschließlich der Aufguss von Blättern der Pflanzen Camellia sinensis und Camellia assamica als Tee bezeichnet werden dürfen. Sämtliche anderen Getränke, die aus anderen Pflanzen und Pflanzenteilen erzeugt werden, sind nach dieser Definition kein Tee. Sie benötigen daher im Handel die Bezeichnung "Kräutertee" oder "Früchtetee", einfach nur "Tee" wäre somit ein Verstoß gegen das Lebensmittelrecht.

Dagegen steht die Gewohnheit im Volksmund

Im Alltag wird sicher nicht so genau zwischen "echtem Tee" und den Varianten Früchte- und Kräutertee unterschieden. Zwar kann sich jeder etwas unter den einzelnen Begriffen vorstellen und niemand würde bei einem Früchtetee beispielsweise einen schwarzen Tee erwarten. Dennoch würde ebenso niemand auf die Idee kommen zu reklamieren, weil auf einer Speisekarte etwa unter dem Stichpunkt "Tee" auch Hagebutte und Pfefferminz genannt werden.

Ist die strenge Einteilung überhaupt notwendig?

Aber ist dann diese strenge Einteilung bzw. Definition von Tee durch die ISO-Norm überhaupt notwendig? Auf den ersten Blick mag sie sicher etwas übertrieben wirken. Andererseits würde wohl niemand ein Päckchen kaufen, das lediglich die Aufschrift "Tee" trägt. Jeder möchte genauer wissen, mit was für einem Tee er es da zu tun hat. Ist es ein schwarzer, grüner, weißer, ein Oolong oder eben ein Früchte- oder Kräutertee. Die einzelnen Zutaten bei Mischungen müssen ohnehin aufgelistet werden. Und mal ehrlich, angenommen, man möchte einen Kirschtee kaufen. Wer würde dazu schon sämtliche Teepackungen im Laden umdrehen und sich die Zutatenlisten durchlesen? Sehr viel ansprechender ist es da, wenn zumindest die Hauptkomponenten bereits aus dem Namen hervorgehen. Oder wenn ein Fantasiename gewählt wurde, dann wenigstens durch Abbildungen, die gleich auch noch Lust auf mehr machen.

Fazit

Die ISO-Normen klingen nicht selten sehr bürokratisch und vielleicht sogar "kleinkariert". Bei vielen Definitionen und Vorschriften mag man sich denken, dass sich das eigentlich völlig von allein versteht und keiner gesetzlichen Regelung bedarf. Dennoch ist es äußerst wichtig, dass selbst solche "Kleinigkeiten" festgelegt und auch kontrolliert werden. Erst vor relativ kurzer Zeit musste ein großer Hersteller seine speziellen Kindertees aus dem Handel nehmen, weil er mit seiner Namensgebung die Verbraucher irregeführt hatte. Selbstverständlich geht man beim Namen Himbeertee davon aus, dass es sich bei diesem um einen Früchtetee handelt, der zumindest zu großen Teilen Himbeere enthält. Tatsächlich enthielt dieses Produkt aber neben zahlreichen anderen Zutaten lediglich etwas Himbeer-Aroma. Angesichts solcher Beispiele ist man dann fast schon wieder dankbar, dass sich die Gesetzgeber die Mühe gemacht haben, auch den Begriff Tee ganz eindeutig zu definieren. Nur so kann man sicher sein, überall auf der Welt unter dem Begriff "Tee" tatsächlich auch das zu bekommen, was man sich von Tee nun mal erwartet. Denn leider Gottes gibt es immer auch jemanden, der gute Geschäfte und große Gewinne wittert und dafür auch bereit ist, es mit der Ehrlichkeit und Offenheit gegenüber seinen Kunden und Verbrauchern nicht immer so genau zu nehmen. Rooibush und Mate-Tee beispielsweise gehören somit eindeutig nicht zu den "echten" Tees, viele würden sie aber auch nicht unbedingt zu den Kräutertees zählen. Doch auch, wenn sie laut Gesetz kein Tee sind, wissen die Verbraucher dennoch, was sie erwartet und können sich bewusst dafür oder dagegen entscheiden. Und das ist wichtig. Bildnachweis: Teevariation © cirquedesprit - Fotolia.com

Hintergrund und Kontext

Die rechtliche Definition von Tee — dieses Thema verdient eine genauere Betrachtung, denn es berührt wichtige Aspekte des Teegenusses, über die viele Teetrinker nur wenig wissen. Ob Anfänger oder erfahrener Teekenner: Hintergrundwissen bereichert das Teeerlebnis und hilft, bessere Entscheidungen beim Kauf und bei der Zubereitung zu treffen.

Die Welt des Tees ist komplex und vielschichtig. Von der Botanik der Teepflanze Camellia sinensis über die unterschiedlichen Verarbeitungsmethoden bis hin zu den kulturellen Traditionen rund um den Globus gibt es immer Neues zu entdecken. Fundiertes Wissen über Tee schärft die Sinne und vertieft den Genuss.

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Wissenschaftliche Forschung hat in den letzten Jahrzehnten vieles bestätigt, was die traditionelle Teekunde seit Jahrhunderten lehrt. Moderne Analysemethoden ermöglichen es, die komplexe Chemie des Tees besser zu verstehen: Über 700 verschiedene Aromaverbindungen wurden bislang in Tee identifiziert — mehr als in den meisten anderen Lebensmitteln.

Die Teepflanze Camellia sinensis produziert eine Vielzahl bioaktiver Substanzen: Polyphenole, Aminosäuren, Koffein, Vitamine und Mineralstoffe. Das Zusammenspiel dieser Inhaltsstoffe bestimmt nicht nur den Geschmack, sondern auch die physiologischen Wirkungen des Tees. Die Forschung auf diesem Gebiet ist dynamisch und bringt regelmäßig neue Erkenntnisse hervor.

Praktische Anwendung

Theorie ist wichtig, aber letztendlich zählt die praktische Umsetzung. Hier sind einige bewährte Grundregeln, die für nahezu alle Teesorten gelten: Verwenden Sie stets frisches, gefiltertes Wasser — Kalk und Chlor können den Geschmack erheblich beeinträchtigen. Die Wasserqualität macht einen deutlich größeren Unterschied als viele Teetrinker vermuten.

Investieren Sie in eine gute Teekanne aus Porzellan, Glas oder Gusseisen. Jedes Material hat seine Vorzüge: Porzellan ist neutral und eignet sich für alle Teesorten, Glas ermöglicht die optische Bewertung des Aufgusses, und Gusseisen hält die Temperatur besonders lange. Vermeiden Sie Plastik, da es Geschmacksstoffe aufnehmen und abgeben kann.

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Zubereitung Schritt für Schritt

Die perfekte Tasse beginnt mit der Wahl des richtigen Wassers. Verwenden Sie nach Möglichkeit gefiltertes Leitungswasser oder stilles Mineralwasser mit einem niedrigen Kalkgehalt. Hartes Wasser kann den Geschmack von Tee erheblich beeinträchtigen und einen unangenehmen Film auf der Oberfläche bilden. Die optimale Wasserhärte für Tee liegt zwischen 4 und 8 Grad deutscher Härte.

Wärmen Sie Ihre Teekanne und Tassen vor, indem Sie sie kurz mit heißem Wasser ausspülen. Dieser einfache Schritt sorgt dafür, dass das Aufgusswasser seine optimale Temperatur behält und der Tee gleichmäßig extrahiert wird. Messen Sie die Teemenge sorgfältig ab: Pro 200 ml Wasser empfehlen sich je nach Teesorte 2 bis 5 Gramm Teeblätter. Eine Küchenwaage liefert dabei genauere Ergebnisse als das Augenmaß.

Gießen Sie das Wasser langsam über die Teeblätter und lassen Sie den Aufguss in Ruhe ziehen. Widerstehen Sie der Versuchung, den Teebeutel oder das Teesieb ständig zu bewegen — dies kann unerwünschte Bitterstoffe lösen. Nach der optimalen Ziehzeit entfernen Sie die Teeblätter sofort, um ein Überziehen zu vermeiden. Die Ziehzeit ist der wichtigste Faktor für den Geschmack — schon 30 Sekunden zu viel können einen milden Tee herb und bitter machen.

Kulturelle Bedeutung und Tradition

rechtliche Definition steht in einer langen Tradition, die verschiedene Kulturen und Epochen miteinander verbindet. Tee ist seit Jahrtausenden nicht nur ein Getränk, sondern ein Kulturgut, das Menschen zusammenbringt und zum Innehalten einlädt. In einer Zeit, die von Hektik und Schnelllebigkeit geprägt ist, bietet die Teekultur einen wertvollen Gegenpol.

In der traditionellen chinesischen Kultur steht Tee für die Harmonie zwischen Mensch und Natur. Die japanische Teezeremonie erhebt die Teezubereitung zur meditativen Kunstform. In Großbritannien ist der Afternoon Tea ein gesellschaftliches Ritual, und in Ostfriesland gehört die Teetied zum kulturellen Erbe. Auch in der arabischen Welt ist die Teezubereitung ein Akt der Gastfreundschaft und des Respekts.

Moderne Teekultur verbindet diese Traditionen mit zeitgenössischen Trends. Tee-Sommeliers, spezialisierte Teehäuser und die wachsende Bewegung für bewussten Konsum machen Tee zu einem Thema, das Menschen unterschiedlichster Hintergründe begeistert. Die Beschäftigung mit Tee fördert Achtsamkeit, Geduld und die Wertschätzung für Qualität — Eigenschaften, die in unserer schnelllebigen Zeit wichtiger denn je sind.

Qualität erkennen und richtig einkaufen

Die Qualität von Tee zu beurteilen, erfordert etwas Übung und Wissen. Ein wichtiger erster Anhaltspunkt ist das Erscheinungsbild der trockenen Blätter: Hochwertige Tees bestehen aus ganzen oder großen Blattstücken mit einheitlicher Farbe und Form. Gebrochene, staubige oder ungleichmäßige Blätter deuten auf niedrigere Qualität hin.

Der Duft der trockenen Blätter sollte frisch, klar und einladend sein — niemals muffig, staubig oder künstlich. Beim Aufguss achten Sie auf eine klare, leuchtende Tassenfarbe. Trüber oder matter Tee kann auf Qualitätsmängel oder falsche Lagerung hindeuten. Der Geschmack sollte vielschichtig sein und verschiedene Noten offenbaren — Tiefe und Komplexität sind Zeichen hoher Qualität.

Kaufen Sie Tee vorzugsweise im Fachhandel, wo Sie kompetent beraten werden und die Möglichkeit haben, verschiedene Sorten zu probieren. Online-Teeshops bieten oft eine größere Auswahl und detaillierte Beschreibungen. Achten Sie auf Bio-Zertifizierungen und Fair-Trade-Siegel, die Qualitätsstandards und nachhaltige Produktion gewährleisten. Kaufen Sie lieber kleine Mengen und verbrauchen Sie den Tee innerhalb weniger Monate — Frische ist bei Tee entscheidend.

Richtige Lagerung für optimales Aroma

Die richtige Lagerung ist entscheidend dafür, dass Ihr Tee sein volles Aroma bewahrt. Die vier größten Feinde des Tees sind Licht, Luft, Feuchtigkeit und Fremdgerüche. Bewahren Sie Tee daher stets in luftdichten, lichtundurchlässigen Behältern auf — ideal sind Dosen aus Zinn, Keramik oder dunklem Glas.

Vermeiden Sie die Aufbewahrung in der Nähe von stark riechenden Lebensmitteln wie Gewürzen, Kaffee oder Knoblauch, da Tee fremde Gerüche leicht aufnimmt. Ein kühler, trockener Ort mit konstanter Temperatur — etwa ein Küchenschrank abseits von Herd und Spüle — ist der ideale Lagerplatz. Im Kühlschrank sollte Tee nur in absolut luftdichten Behältern gelagert werden, um Kondenswasser zu vermeiden.

Die Haltbarkeit variiert je nach Teesorte: Grüner und weißer Tee sollten innerhalb von 6 bis 12 Monaten verbraucht werden, da sie empfindlicher auf Oxidation reagieren. Schwarzer Tee und Oolong halten bei richtiger Lagerung 1 bis 2 Jahre. Pu-Erh Tee ist eine Ausnahme — er kann wie guter Wein über Jahre oder sogar Jahrzehnte reifen und an Komplexität gewinnen. Kräuter- und Früchtetee bleiben bei sachgemäßer Lagerung 12 bis 24 Monate aromatisch.