Legende oder Wahrheit?
Zugegeben, die Geschichte klingt so phantastisch, dass man mit dem ersten Blick betrachtet gleich einwenden möchte dass das auf keinen Fall die Wahrheit sein kann. Umso mehr, wenn man diese Legende auf die Art und Weise anhört und bewertet, wie wir das in der westlichen Welt meist tun. Steht man diesem Mythos allerdings zunächst einmal völlig unvoreingenommen gegenüber, betrachtet die einzelnen Punkte und versucht die Fakten aufzuschlüsseln, findet man sogar in solch einer Legende Wahrheiten, die nicht von der Hand zu weisen sind. Zum einen wäre da die Tatsache, dass Bodhidharma tatsächlich gelebt hat. Und nicht nur das, er war auch tatsächlich lange Jahre seines Lebens in China. Diese Punkte des Mythos sind durch historische Dokumente zweifelsfrei belegt. Bodhidharma wurde etwa um 440 in Kanchipuram in Indien geboren. 480 etwa soll er Indien verlassen und den Himalaya überquert haben. Von Südchina aus soll er über den Kaiserhof der damaligen Liang-Dynastie schließlich um 523 in der nördlichen Provinz Henan eine neue Heimat gefunden haben. Dort soll er bis zu seinem Tode, der um 528 vermutet wird, in dem Ursprungs-Kloster des heute weltbekannten Shaolin-Ordens seine eigene Meditationslehre verbreitet haben. Und auch heute noch gibt es Teezeremonien buddhistischer Mönche in denen es in erster Linie darum geht, dank der anregenden Wirkung länger und intensiver meditieren zu können. Leider jedoch ist ein Großteil der Sagen und Legenden, die sich um Bodhidharma ranken, erst Jahrhunderte nach seinem Tod entstanden. Es war also von Anfang an schwer festzumachen, was denn nun tatsächlich stimmt und was nicht. Davon abgesehen ist es wirklich schwer vorstellbar, dass Bodhidharma sich die Augenlider abgerissen hat. Und selbst wenn, über Nacht sind daraus sicher keine Teesträucher gewachsen.Fazit
Shaolin-Mönche begeistern und faszinieren bis heute mit Vorführungen, die unter normalen Bedingungen äußerst schmerzhaft sind. Dank extremer Konzentration und Meditation sind sie in der Lage diesen Schmerz gar nicht erst zu spüren. Vielleicht hat Bodhidharma sich ja doch immerhin einen Teil seiner Lider abgerissen. Zumindest ist es vorstellbar, dass er beim Meditieren in der Höhle, wie auch immer, auf Teesträucher stieß. Und es ist auch vorstellbar, dass er sich daraus tatsächlich Tee kochte, die Wirkung zu schätzen wusste und deshalb Tee in seine Meditation einbaute. Außerdem ist es möglich, dass in einem so riesigen Reich wie China mehrere Menschen an mehreren Orten die gleiche gute Idee haben. Bildnachweis: Japanischer Mythos zur Entstehung des Tees - © Centaur - Fotolia.comVerwandte Artikel
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