Legende oder Wahrheit?
Die sogenannte Novemberrevolution die am Ende des Ersten Weltkriegs die politischen Machtverhältnisse in Deutschland entscheidend und nachhaltig veränderte, ist eine historisch einwandfrei belegte Tatsache. Ebenso der Fakt, dass Kaiser Wilhelm II nach Holland ins Exil ging. Wo er sich dort genau aufhielt, dürfte ebenfalls einwandfrei belegt sein. Entmachtung hin oder her, der Kaiser war eine bedeutende Persönlichkeit und lebte auch nach dem Ende seiner Regentschaft sicher nicht in absoluter Anonymität. Zumindest sein Aufenthaltsort wurde bestimmt zur Kenntnis genommen und in geschichtlichen Dokumenten festgehalten. Fraglich bleibt allerdings, ob er tatsächlich während seines ganzen Weges von Deutschland nach Holland kein einziges Wort gesprochen hat. Und ob das erste dann tatsächlich die Bitte nach einer Tasse Tee war, wird sich wohl auch nicht zweifelsfrei belegen lassen. Allerdings ist es sicher möglich, dass er ziemlich bald nach seiner Ankunft beim Grafen Bentinck um Tee gebeten hat. Und die schottische Hausdame wird es wohl ebenfalls gegeben haben. Den Whiskey im Tee wird man ihr sicher auch zutrauen. Gut möglich, dass sich dadurch auch die Laune des ehemaligen Kaisers wieder gebessert hat.Fazit
Mal völlig unabhängig von den Grauen eines Krieges und den individuellen politischen Meinungen, die Angst und Unsicherheit eines Menschen, der gerade noch der mächtigste Mann in seinem Lande war und im nächsten Moment fliehen muss um nicht gefangen genommen oder gar getötet zu werden, kann wohl jeder nachvollziehen. Verständlich also, dass Wilhelm bei seiner Ankunft in Holland nicht in bester Stimmung war. Umso mehr, da sich sein Exil im trüben Novembergrau präsentierte. Für viele von uns bedeutet, besonders auch an dunklen Herbsttagen, eine heiße Tasse Tee Geborgenheit pur. Verständlich also, dass sich der ehemalige Kaiser genau dies wünschte, als er in seinem neuen Zuhause ankam. Nach all dem, was er in den Tagen davor durchgemacht hatte, sehnte er sich wohl nach etwas Wärme und Halt. Sicher haben viele schon einmal eine Situation durchgestanden, an deren Ende sie sich nach einer heißen Tasse Tee sehnten. Sie wollten sich in aller Ruhe setzten, die Hände an der heißen Tasse wärmen, den wohligen Duft und den vertrauten Geschmack genießen und zu spüren, wie der Tee Schluck für Schluck auch den Bauch wärmt. So kann man herrlich entspannen, neue Kräfte und auch neuen Mut sammeln. Selbst als entmachteter Kaiser. Bildnachweis: Kaiser Wilhelm und die Revolution © steschum - Fotolia.comVerwandte Artikel
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