Der Kamairicha ist eine Sorte grüner Tee, die es im Westen so gut wie nicht zu kaufen gibt. Nur einige wenige Teespezialisten führen diese Besonderheit in ihrem Sortiment. Durch ein spezielles Röstverfahren während der Herstellung erhält der Kamairicha ein Aroma und einen Geschmack, die mehr an einen chinesischen, denn an einen japanischen Grüntee denken lassen. Das charakteristische Bitteraroma fehlt nahezu ganz.

Inhaltsstoffe

Durch die extrem hohen Temperaturen während des Röstvorgangs werden sämtliche Inhaltsstoffe, die für den bitteren Geschmack, vor allem bei längerer Ziehdauer, verantwortlich sind, nahezu vollständig abgebaut. Davon abgesehen enthält aber auch Kamairicha all die positiven Inhaltsstoffe, denen grüner Tee seinen guten Ruf verdankt. Allerdings leiden auch diese unter der wenig sorgsamen Herstellung und sind deswegen in wesentlich geringeren Konzentrationen im Tee enthalten. Vor allem der Unterschied zu nahezu roh belassenem Tee ist enorm. Nichts desto trotz handelt es sich auch bei Kamairicha um ein gesundes Getränk, das in seinem Geschmack sehr von einem typischen grünen Tee abweicht.

Anbaugebiete

Die Anbaugebiete für Kamairicha sind relativ begrenzt. Diese Sorte kommt eigentlich nur in der Region Kyushu vor, dort vor allem in den Städten Nagasaki und Saga. Darüber hinaus wird kaum Kamairicha produziert.

Herstellung

Nach dem Trocknen werden die Blätter für Kamairicha nicht, wie sonst üblich, bedampft, sondern in Eisenpfannen mit Temperaturen von bis zu 300°C geröstet. Dabei muss man selbstverständlich extrem vorsichtig sein und den Tee regelmäßig und gründlich wenden, da sonst einzelne Blätter an- oder gar verbrennen würden. Als weiterer Gegensatz zu anderen grünen Tees weißt Kamairicha auch keine gerollten, sondern flache Blätter auf.

Fazit

In unseren Breitengraden wird man wohl schwer die Gelegenheit finden, eine Tasse Kamairicha zu probieren. Wenn doch, wird man sicher von seinem süßen, leichten Röstaroma überrascht sein. Möchte man einmal etwas zumindest recht ähnliches versuchen, sollte man sich in Europe einen guten chinesischen grünen Tee auswählen. Dort ist es Tradition, dass grünen Tees zur Herstellung häufiger in der Pfanne geröstet werden, als dies in Japan der Fall ist. Wer dennoch das Original probieren möchte, muss entweder eine Reise nach Japan unternehmen, oder sich einen ausgewählten, exquisiten Teehändler suchen, der selbst solche Raritäten im Angebot führt. Selbst wenn man nie eine Tasse dieser Sorte trinken sollte, Kamairicha ist einmal mehr ein Beleg dafür, dass die Welt des grünen Tees bei Sencha und Bancha noch lange nicht zu Ende ist. Bildnachweis: Kamairicha - © ConstanzeK - Fotolia.com

Herkunft und Anbaugebiete

Kamairicha — grüner Tee gehört zu den ältesten und vielseitigsten Getränken der Welt. Seine Geschichte reicht über 5.000 Jahre zurück bis ins alte China, wo der Legende nach Kaiser Shen Nung die ersten Teeblätter zufällig entdeckte. Heute wird grüner Tee hauptsächlich in China, Japan, Korea und Indien angebaut.

Die wichtigsten Anbaugebiete für grünen Tee befinden sich in den Hochlandregionen Asiens. In China sind die Provinzen Zhejiang, Fujian und Anhui bekannt für ihre erstklassigen grünen Tees. Japan ist berühmt für Sorten wie Sencha, Gyokuro und Matcha, die in den Regionen Shizuoka, Kagoshima und Uji angebaut werden. Das Klima, der Boden und die Höhenlage spielen eine entscheidende Rolle für die Qualität und den Geschmack des Tees.

Herstellung und Verarbeitung

Der entscheidende Unterschied zwischen grünem und schwarzem Tee liegt in der Verarbeitung. Grüner Tee wird nach der Ernte durch Hitzeeinwirkung an der Oxidation gehindert — ein Prozess, den man als Fixierung bezeichnet. In China geschieht dies traditionell durch Rösten in großen Woks (Pfannen-Fixierung), während in Japan Dampf verwendet wird (Dampf-Fixierung).

Nach der Fixierung werden die Blätter gerollt, um die Zellstrukturen aufzubrechen und die spätere Geschmacksentfaltung beim Aufguss zu ermöglichen. Anschließend folgt eine schonende Trocknung. Die Art der Verarbeitung bestimmt maßgeblich das Geschmacksprofil: Japanische grüne Tees schmecken typischerweise frischer und grasiger, während chinesische Sorten oft nussige und blumige Noten aufweisen.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Grüner Tee ist ein wahres Kraftpaket an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen. Das Zusammenspiel von Catechinen (insbesondere EGCG), L-Theanin, Koffein, Vitaminen und Mineralstoffen macht ihn zu einem der am besten erforschten Lebensmittel weltweit. Kamairicha enthält diese Wirkstoffe in konzentrierter Form.

L-Theanin ist eine Aminosäure, die fast ausschließlich in der Teepflanze vorkommt. Sie fördert die Bildung von Alpha-Gehirnwellen und sorgt für einen Zustand entspannter Aufmerksamkeit. In Kombination mit Koffein entsteht eine sanfte, langanhaltende Wachheit ohne die Nervosität, die Kaffee manchmal verursacht.

Die Catechine im grünen Tee, allen voran Epigallocatechingallat (EGCG), sind starke Antioxidantien. Sie können oxidativen Stress reduzieren und werden in der Forschung intensiv hinsichtlich ihrer potenziellen gesundheitlichen Vorteile untersucht.

Zubereitung: Wassertemperatur und Ziehzeit

Die richtige Zubereitung ist bei grünem Tee entscheidend. Zu heißes Wasser oder eine zu lange Ziehzeit können den Tee bitter und ungenießbar machen. Die optimale Wassertemperatur liegt je nach Sorte zwischen 60 und 80 °C. Als Faustregel gilt: Je hochwertiger der Tee, desto niedriger die Temperatur.

Verwenden Sie pro Tasse (200 ml) etwa 2 bis 3 Gramm Teeblätter. Die Ziehzeit beträgt für die meisten grünen Tees 1 bis 3 Minuten. Hochwertiger grüner Tee kann mehrfach aufgegossen werden — jeder Aufguss offenbart dabei neue Geschmacksnuancen. Der zweite und dritte Aufguss gelten bei vielen Teeliebhabern als die besten.

Tipp: Kochen Sie das Wasser auf und lassen Sie es anschließend auf die gewünschte Temperatur abkühlen. Alternativ können Sie einen Wasserkocher mit Temperaturregelung verwenden.

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Zubereitung Schritt für Schritt

Die perfekte Tasse beginnt mit der Wahl des richtigen Wassers. Verwenden Sie nach Möglichkeit gefiltertes Leitungswasser oder stilles Mineralwasser mit einem niedrigen Kalkgehalt. Hartes Wasser kann den Geschmack von Tee erheblich beeinträchtigen und einen unangenehmen Film auf der Oberfläche bilden. Die optimale Wasserhärte für Tee liegt zwischen 4 und 8 Grad deutscher Härte.

Wärmen Sie Ihre Teekanne und Tassen vor, indem Sie sie kurz mit heißem Wasser ausspülen. Dieser einfache Schritt sorgt dafür, dass das Aufgusswasser seine optimale Temperatur behält und der Tee gleichmäßig extrahiert wird. Messen Sie die Teemenge sorgfältig ab: Pro 200 ml Wasser empfehlen sich je nach Teesorte 2 bis 5 Gramm Teeblätter. Eine Küchenwaage liefert dabei genauere Ergebnisse als das Augenmaß.

Gießen Sie das Wasser langsam über die Teeblätter und lassen Sie den Aufguss in Ruhe ziehen. Widerstehen Sie der Versuchung, den Teebeutel oder das Teesieb ständig zu bewegen — dies kann unerwünschte Bitterstoffe lösen. Nach der optimalen Ziehzeit entfernen Sie die Teeblätter sofort, um ein Überziehen zu vermeiden. Die Ziehzeit ist der wichtigste Faktor für den Geschmack — schon 30 Sekunden zu viel können einen milden Tee herb und bitter machen.

Kulturelle Bedeutung und Tradition

Kamairicha steht in einer langen Tradition, die verschiedene Kulturen und Epochen miteinander verbindet. Tee ist seit Jahrtausenden nicht nur ein Getränk, sondern ein Kulturgut, das Menschen zusammenbringt und zum Innehalten einlädt. In einer Zeit, die von Hektik und Schnelllebigkeit geprägt ist, bietet die Teekultur einen wertvollen Gegenpol.

In der traditionellen chinesischen Kultur steht Tee für die Harmonie zwischen Mensch und Natur. Die japanische Teezeremonie erhebt die Teezubereitung zur meditativen Kunstform. In Großbritannien ist der Afternoon Tea ein gesellschaftliches Ritual, und in Ostfriesland gehört die Teetied zum kulturellen Erbe. Auch in der arabischen Welt ist die Teezubereitung ein Akt der Gastfreundschaft und des Respekts.

Moderne Teekultur verbindet diese Traditionen mit zeitgenössischen Trends. Tee-Sommeliers, spezialisierte Teehäuser und die wachsende Bewegung für bewussten Konsum machen Tee zu einem Thema, das Menschen unterschiedlichster Hintergründe begeistert. Die Beschäftigung mit Tee fördert Achtsamkeit, Geduld und die Wertschätzung für Qualität — Eigenschaften, die in unserer schnelllebigen Zeit wichtiger denn je sind.

Qualität erkennen und richtig einkaufen

Die Qualität von Tee zu beurteilen, erfordert etwas Übung und Wissen. Ein wichtiger erster Anhaltspunkt ist das Erscheinungsbild der trockenen Blätter: Hochwertige Tees bestehen aus ganzen oder großen Blattstücken mit einheitlicher Farbe und Form. Gebrochene, staubige oder ungleichmäßige Blätter deuten auf niedrigere Qualität hin.

Der Duft der trockenen Blätter sollte frisch, klar und einladend sein — niemals muffig, staubig oder künstlich. Beim Aufguss achten Sie auf eine klare, leuchtende Tassenfarbe. Trüber oder matter Tee kann auf Qualitätsmängel oder falsche Lagerung hindeuten. Der Geschmack sollte vielschichtig sein und verschiedene Noten offenbaren — Tiefe und Komplexität sind Zeichen hoher Qualität.

Kaufen Sie Tee vorzugsweise im Fachhandel, wo Sie kompetent beraten werden und die Möglichkeit haben, verschiedene Sorten zu probieren. Online-Teeshops bieten oft eine größere Auswahl und detaillierte Beschreibungen. Achten Sie auf Bio-Zertifizierungen und Fair-Trade-Siegel, die Qualitätsstandards und nachhaltige Produktion gewährleisten. Kaufen Sie lieber kleine Mengen und verbrauchen Sie den Tee innerhalb weniger Monate — Frische ist bei Tee entscheidend.

Richtige Lagerung für optimales Aroma

Die richtige Lagerung ist entscheidend dafür, dass Ihr Tee sein volles Aroma bewahrt. Die vier größten Feinde des Tees sind Licht, Luft, Feuchtigkeit und Fremdgerüche. Bewahren Sie Tee daher stets in luftdichten, lichtundurchlässigen Behältern auf — ideal sind Dosen aus Zinn, Keramik oder dunklem Glas.

Vermeiden Sie die Aufbewahrung in der Nähe von stark riechenden Lebensmitteln wie Gewürzen, Kaffee oder Knoblauch, da Tee fremde Gerüche leicht aufnimmt. Ein kühler, trockener Ort mit konstanter Temperatur — etwa ein Küchenschrank abseits von Herd und Spüle — ist der ideale Lagerplatz. Im Kühlschrank sollte Tee nur in absolut luftdichten Behältern gelagert werden, um Kondenswasser zu vermeiden.

Die Haltbarkeit variiert je nach Teesorte: Grüner und weißer Tee sollten innerhalb von 6 bis 12 Monaten verbraucht werden, da sie empfindlicher auf Oxidation reagieren. Schwarzer Tee und Oolong halten bei richtiger Lagerung 1 bis 2 Jahre. Pu-Erh Tee ist eine Ausnahme — er kann wie guter Wein über Jahre oder sogar Jahrzehnte reifen und an Komplexität gewinnen. Kräuter- und Früchtetee bleiben bei sachgemäßer Lagerung 12 bis 24 Monate aromatisch.